Bei langfristiger Lärmexposition mit hohem Schallpegel (von über 80 dB) wird das Gehör aufgrund der örtlichen Beschädigung der Sinneszellen in der Schnecke in Mitleidenschaft gezogen. Die Schnecke ist der Teil des Gehörorgans, wo der von außen kommende Schall in Nervenreize umgewandelt wird, die dann an das Gehirn weitergeleitet werden.
Die Abnahme einer zunehmenden Schwerhörigkeit im Hochtonbereich entsteht insbesondere um die 4000 Hz-Frequenz, mit bleibenden Gehörschädigungen in der Schnecke. Die individuelle Lärmempfindlichkeit ist unterschiedlich, wobei die Lärmempfindlichkeit jedoch im Alter von über 40 Jahren generell zunimmt, da die Nerven dann auch altern. Auch Menschen mit bereits vorliegenden Innenohrschäden könnnen weitere lärmbedingte Gehörschäden erleiden. Die Schnecke wird dabei schließlich im gleichen Ausmaß belastet, ohne dass der Betroffene aufgrund der bereits bestehenden Schwerhörigkeit unbedingt viel davon mitbekommt.
Die lärmbedingten Gehörschäden hängen von der Dauer, dem Rhythmus und der Intensität des auf das Ohr einwirkenden Lärms sowie auch von der individuellen Empfindlichkeit des Menschen ab. Fabrikslärm überschreitet die 80dB-Grenze oft ganz erheblich. Bei Popkonzerten und Motorradrennen kann dies bis zu 120dB betragen. Ständiger Lärm ist viel schädlicher als unterbrochener Schall, da die einzelnen Nervenzellen im letzteren Fall noch die Möglichkeit haben, sich zu regenerieren. Abgesehen von der Tatsache, dass übermäßig starker Lärm am Arbeitsplatz eine Gehörschädigung hinterlässt, führt dies auch schneller zur Ermüdung und erhöht die Reizbarkeit, was wiederum die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt.
Lärmbedingte Gehörschäden sind irreversibel, somit ist eine rechtzeitige Prävention unabdingbar. In erster Linie ist eine mittlere Lärmbelastung am Arbeitsplatz von weit unter 80 dB anzustreben. Das ist jedoch nicht immer möglich. In diesen Fällen kann ein Gehörschutz zum Einsatz gelangen. Der Gehörschützer sollte den Lärmpegel so weit abschwächen, dass der Schall, der das Innenohr erreicht, unter der 80 dB-Grenze liegt. Bei einem Schallpegel von etwa 100 dB beispielsweise sollte die Dämmwirkung in Bezug auf den Schall über 20 dB betragen.
Mit einem Kapselgehörschutz und soliden Ohrenstöpseln lässt sich eine Dämpfung über alle Schallfrequenzen erzielen, wobei auch die Sprachverständlichkeit abnimmt. Es gibt Gehörschützer, die hohe Töne mithilfe entsprechender Filter selektiv dämpfen können. Ein Beispiel sind die EARfoons, wobei abgesehen von der Dämmwirkung auch die Sprachverständlichkeit erhalten bleibt.
J.C. Antvelink || HNO-Arzt
|